Ausgabe 2/2026
INHALT
Editorial
Wirtschafts-News
- Japan und EU bekräftigen Zusammenarbeit für stabile Versorgung mit kritischen Mineralien
- Bank of Japan belässt Leitzins unverändert und warnt vor Inflationsrisiken durch Nahost Konflikt
Umwelt-News
- Energiepolitik: Nahost Krise verstärkt Druck auf Japans Energiewende
- Minamitorishima als mögliches Atommüll-Endlager?
- Japan weitet Tests für neue Dünnschicht-Solarmodule aus
- Recyclingpflicht für Solarpanels: Regierung plant neues Gesetz
- Hino stellt Japans ersten seriengefertigten Brennstoffzell-Lkw vor
- Japan reagiert auf chinesische Exportstopps: Seltene Erden aus der Tiefsee könnten Abhängigkeit verringern
- Teijin entwickelt recyceltes Polycarbonat für Fahrzeuge
- Neuer PP-Film erleichtert Recycling von Auto-Bauteilen
- Beton mit negativer CO₂-Bilanz erhält Brandsicherheitszertifizierung
Rückblick
- EU-Japan-Centre Webinar zum Thema „Der Markt für Solarenergie in Japan“, 24.02.2026
- GJETC Stakeholder-Dialog, 19.02.2026, Berlin
- “Energy & Climate Policy in the Light of (geo)political Changes – Perspectives from Germany and Japan” - Meet the GJETC Council Members, 20.02.2026, Berlin
Terminvorschau
- „Japan Wirtschaftstag“, 31.03.2026, 10:00 - 14:00 Uhr, Bad Langensalza, Thüringen
- 19. Deutsch-Japanisches Wirtschaftsforum auf der HANNOVER MESSE, 20.04.2026, 15:30 – 17:00 Uhr
- Kick-Off Konferenz “Kreislaufwirtschaft in der Bioökonomie in Weser-Ems", 6. Mai 2026, Osnabrück
- DJW Symposium “Sicherheitskooperation im Wandel. Deutschland und Japan im stabilitätspolitischen Dialog”, 24. Juni 2026, 9:30-14:30 Uhr, Düsseldorf
Der sich ausweitende Krieg im Nahen Osten und die Sperrung der Straße von Hormus bedeuten massive geopolitische Herausforderungen für die globale Energieversorgung und die Beschaffung kritischer Rohstoffe. Die effiziente Nutzung von Ressourcen auch in der industriellen Produktion ist dadurch noch ein Stück weit wichtiger geworden.
Das Thema des 19. Deutsch-Japanischen Wirtschaftsforums auf der Hannover Messe könnte vor diesem Hintergrund aktueller nicht sein: wir werden uns zentralen Fragen einer nachhaltigen, ressourcenschonenden und technologisch vernetzten Industrie widmen. Besonders freue ich mich auf den Austausch mit JOGMEC (Japan Organisation for Metals and Energy Security) zur Bedeutung ressourceneffizienter Produktion im geopolitischen Kontext.
Energieeffizienz in der Industrie war im Februar das Thema eines Stakeholder-Dialogs des German-Japanese Energy Transition Councils in Berlin. Erste Ergebnisse sind bereits unter www.gjetc.org abrufbar.
Angesichts der oft beängstigenden Lage ist es ein gutes Gefühl, immerhin nicht tatenlos zusehen zu müssen, sondern gemeinsam mit unseren Partnern zur Kooperation zweier der mächtigsten Industrienationen der Welt in diesen entscheidenden Themen beitragen zu können.
Herzliche Grüße,
Johanna Schilling
Japan und EU bekräftigen Zusammenarbeit für stabile Versorgung mit kritischen Mineralien
Japan und die europäische Union wollen ihre Kooperation zur Sicherung wichtiger Rohstoffe wie Seltene Erden weiter ausbauen.
Bei einem Treffen am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos haben Japans Industrieminister Ryosei Akazawa und der EU-Vizepräsident Stéphane Séjourné ihre Zusammenarbeit zur Stabilisierung globaler Lieferketten für kritische Materialien bekräftigt. Beide Seiten vereinbarten, die Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Akteuren zu beschleunigen und entsprechende Projekte finanziell zu unterstützen.
Akazawa nutzte seine Reise ebenfalls, um mit Regierungsvertretern aus Großbritannien und Frankreich über die jüngst verschärften chinesischen Exportbeschränkungen zu sprechen. Dabei zeigte sich eine gemeinsame Sorge über die Auswirkungen nicht-marktwirtschaftlicher Maßnahmen auf internationale Rohstofflieferketten. Japan und seine Partner wollen enger zusammenarbeiten, um diesen Risiken zu begegnen.
In einem begleitenden WEF-Format sprach Akazawa zudem über Japans Reaktion auf die US-Zölle. Als ehemaliger Chefunterhändler bekräftigte er die Bedeutung der im Vorjahr erzielten Einigung, in deren Rahmen Japans Investitionen und Kredite im Umfang von 550 Mrd. US-Dollar zugesagt hatte. Bei einem Treffen mit dem US-Handelsminister Howard Lutnick verständigte er sich darauf, die Umsetzung des ersten Projekts aus diesem Paket weiter voranzutreiben.
(Quelle: The Japan Times, 22.01.2026)
Bank of Japan belässt Leitzins unverändert und warnt vor Inflationsrisiken durch Nahost-Konflikt
Die Bank of Japan (BoJ) hält ihren Leitzins bei rund 0,75 % und verweist auf steigende Risiken für die Preisstabilität infolge des Iran-Krieges und hoher Ölpreise.
Die japanische Notenbank hat den Leitzins zum zweiten Mal in Folge unverändert gelassen, nachdem sie ihn im Dezember auf den höchsten Stand seit 30 Jahren angehoben hatte. In der Sitzung stimmte der geldpolitische Rat mit acht zu einer Stimme für eine Beibehaltung der aktuellen Politik. Ein Ratsmitglied plädierte für eine weitere Anhebung auf rund 1,0 %.
Die BoJ betonte, dass die angespannte Lage im Nahen Osten und die jüngste Volatilität an den Finanzmärkten sorgfältig beobachtet werden müssten. Der Krieg mit Iran hat das Nadelöhr der globalen Energielieferketten, die Straße von Hormus, weitgehend lahmgelegt. Für Japan, das stark von Energieimporten abhängig ist, drohen dadurch steigende Kosten für Öl, Gas und zahlreiche petrochemische Produkte.
Die Notenbank rechnet damit, dass der Preisdruck auf die Kerninflation zunimmt, insbesondere durch teurere Energieimporte. Der Yen hat sich zuletzt deutlich gegenüber dem US-Dollar abgeschwächt und lag zeitweise nahe der Marke von 160 Yen je Dollar. Das erhöht die Importkosten weiter. Finanzminister Satsuki Katayama erklärte, die Regierung sei „in voller Alarmbereitschaft“ und erwäge alle möglichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Märkte.
Der Konflikt im Nahen Osten hat weltweit zu einer Flucht in sichere Währungen wie den US-Dollar geführt und gleichzeitig zu scharfen Kursrückgängen an der Tokioter Börse beigetragen. Die BoJ sieht sich damit in einer schwierigen Lage: Eine Anhebung des Leitzinses könnte helfen, die Inflation einzudämmen, aber auch das Risiko einer Stagflation erhöhen, einem Zustand aus hoher Inflation, schwachem Wachstum und Belastungen für Unternehmen und Haushalte.
(Quelle: Kyodo News, 19.03.2026)
Energiepolitik: Nahost-Krise verstärkt Druck auf Japans Energiewende
Die aktuelle Krise im Nahen Osten macht die extreme Abhängigkeit Japans von fossilen Energieimporten erneut sichtbar und verstärkt Forderungen nach einem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien.
Die Angriffe der USA und Israels auf Iran gefährden wichtige Transportwege für Öl und Gas, darunter die Straße von Hormus. Japans Energieversorgung ist dadurch besonders verwundbar: Die Selbstversorgungsquote liegt bei nur 15,3 %, der Erdgasvorrat reicht für rund drei Wochen, während die Ölreserven etwa 250 Tage abdecken. Steigende Preise für Öl, Gas und petrochemische Produkte sind bereits absehbar.
Die Regierung reagiert kurzfristig mit Maßnahmen wie der Freigabe von Ölreserven, der Diversifizierung von Lieferwegen und Subventionen für Kraftstoffpreise. Fachleute kritisieren jedoch, dass Japan seit der ersten Ölkrise 1973 immer wieder nur auf geopolitische Schocks reagiert habe, ohne strukturell unabhängiger zu werden.
Dabei wurde bereits damals mit dem Sunshine Project die Grundlage für Japans frühe Führungsrolle in Solar , Wind und Geothermie-Technologien gelegt. Laut UN-Bericht „Seizing the Moment of Opportunity“ sind erneuerbare Energien heute die kostengünstigste und am schnellsten nutzbare Energiequelle. Das Renewable Energy Institute zeigt in seinem 2040 Szenario, dass Japan seine EnergiesSelbstversorgung durch massiven Ausbau von Photovoltaik und Windkraft, Effizienzsteigerungen und Elektrifizierung auf rund 75 % erhöhen könnte.
Premierministerin Sanae Takaichi hatte im LDP Wahlkampf angekündigt, „Diplomatie der Abhängigkeit“ zu beenden und langfristig 100 % inländische Energieversorgung anzustreben. Auch internationale Partner reagieren: Südkorea kündigte angesichts der Krise eine schnelle Ausweitung erneuerbarer Energien an, und ASEAN-Staaten betonten jüngst ebenfalls ihren Willen zur Beschleunigung der Energiewende.
Vor diesem Hintergrund fordern Expert*innen, dass Japan jetzt strukturelle Maßnahmen ergreifen müsse: darunter einen konsequenten Ausbau von Solar Sharing (Agrivoltaik), Solarpflichten für neue Gebäude, den schnelleren Hochlauf von Onshore und Offshore Windkraft sowie klare gesetzliche Rahmenbedingungen für Geothermie. Das Land könne so gleichzeitig Energie- und Versorgungssicherheit erhöhen, wirtschaftliches Wachstum fördern und seine Klimaziele im Rahmen der nationalen GX Strategie (Green Transformation) erreichen.
(Quelle: RenewableEnergy Institute, 19.03.2026)
Minamitorishima als mögliches Atommüll-Endlager?
Die japanische Regierung prüft, ob die abgelegene Insel Minamitorishima als Standort für ein mögliches Endlager für nukleare Abfälle geeignet sein könnte.
Wirtschaftsminister Ryosei Akazawa kündigte an, dass die Regierung die Gemeinde Ogasawara um Zustimmung für eine erste Standortanalyse bitten wird. Diese Voruntersuchung soll auf bestehenden geologischen Daten beruhen und klären, ob die Insel grundsätzlich geeignet ist. Ohne die Zustimmung der lokalen Verwaltung könne das Verfahren jedoch nicht fortgesetzt werden, betonte Akazawa.
Die Gemeindeverwaltung von Ogasawara, zu der Minamitorishima gehört, wird am 14. und 15. März 2026 Informationsveranstaltungen für die Bewohner abhalten. Bürgermeister Masaaki Shibuya will seine Entscheidung zur Zustimmung auf Basis der Rückmeldungen der Bevölkerung treffen.
Minamitorishima ist eine unbewohnte, 1,51 km² große Insel im äußersten Osten Japans, die vollständig in Staatsbesitz ist und militärische sowie meteorologische Einrichtungen beherbergt. Akazawa verwies auf ungenutzte Flächen, die für oberirdische Anlagen geeignet wären, und auf die lange staatliche Nutzung der Insel.
Sollte die Untersuchung genehmigt werden, wäre Minamitorishima, nach Suttsu und Kamoenai in Hokkaido sowie Genkai in der Präfektur Saga, die vierte Region, in der eine solche Erstprüfung durchgeführt wird.
(Quelle: The Japan Times, 03.03.2026)
Japan weitet Tests für neue Dünnschicht-Solarmodule aus
Das japanische Greentech-Startup PXP intensiviert die Erprobung seiner neuartigen Chalcopyrit Dünnschichtsolarzellen (CSC) an unterschiedlichen Standorten und unter realen Einsatzbedingungen.
PXP testet die ultradünnen, 0,6 mm starken und nur 0,7 kg schweren Module derzeit unter anderem in einer Demo-Installation im Showroom von Nissan in Yokohama. Dort sollen Fenster- und Vordachflächen künftig Strom für Ladesäulen, Verkaufsautomaten und digitale Displays liefern.
Parallel dazu laufen Feldtests am Verwaltungsgebäude der Präfektur Niigata, einer Region mit starkem Schneefall. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit auf gekrümmten, gewölbten oder Wellblechdächern zu überprüfen, wo herkömmliche Siliziumsolarmodule nicht eingesetzt werden können.
Weitere Pilotprojekte führt Nagoya Electric Works durch: In der Präfektur Fukuoka werden CSC-Module an einer Verkehrskamera und zwei Verkehrsschildern getestet, um Daten zu netzferner Stromversorgung und Materialbeständigkeit zu sammeln. Ergebnisse werden im März 2026 erwartet.
Neben den Feldversuchen arbeitet PXP an CIS-Perowskit-Tandemzellen, die höhere theoretische Wirkungsgrade und eine besonders leichte Bauweise ermöglichen sollen. Diese Technologie richtet sich vor allem an Anwendungen auf nicht standardisierten Oberflächen wie Straßen, Gebäudefassaden, Telekommunikationstürmen oder Industrieinfrastruktur.
Auch andere Unternehmen, wie Panasonic Holdings, Panasonic Environmental Engineering und AGC, treiben die Entwicklung voran und haben ein Konsortium zur Entwicklung glasintegrativer Perowskitmodule für urbane Gebäudeanwendungen gegründet. Das gemeinsame Projekt läuft bis 2029.
CSC- und CIS-Dünnschichtmodule gelten als flexible Zukunftstechnologien für gebäudeintegrierte Photovoltaik, Verkehrsinfrastruktur und netzferne Nutzung. Nachdem Japan im Silizium-PV-Markt gegenüber China an Boden verloren hat, setzt die Industrie nun auf einen Technologievorsprung in der nächsten Solarzellengeneration. Die aktuellen PXP-Demonstrationen markieren eine frühe Phase der Kommerzialisierung; marktreife Produkte könnten ab 2027–2028 verfügbar werden.
(Quelle: PR Times, 17.11.2025)
Recyclingpflicht für Solarpanels: Regierung plant neues Gesetz
Japans Regierung plant eine gesetzliche Verpflichtung zur Wiederverwertung ausgedienter Solarpanels – zunächst für Betreiber großer Mega-Solarkraftwerke.
Die Regierung hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der Photovoltaikbetreiber schrittweise dazu verpflichten soll, ihre Altmodule zu recyclen. Den Anfang machen Betreiber großer Mega-Solarparks, weitere Unternehmen sollen in den späten 2030er-Jahren folgen, wenn das jährliche Aufkommen ausgedienter Panels voraussichtlich seinen Höchststand erreichen soll. Dann könnten bis zu 500.000 Tonnen Solarpanels pro Jahr anfallen, ähnlich viel wie das derzeitige Abfallvolumen aus dem Automobilsektor.
Hintergrund ist die bislang sehr geringe Recyclingquote: Während rund 97% der Autoabfälle wiederverwertet werden, liegt die Quote bei Solarpanels lediglich bei etwa 20%. Der Hauptgrund sind hohe Kosten.
Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Betreiber künftig Pläne einrichten müssen, in denen sie das erwartete Abfallvolumen und die geplante Entsorgung darlegen. Die Regierung wird Kriterien vorgeben, ab wann Panels recycelt werden müssen und welcher Kostenunterschied zwischen Recycling und Deponierung zulässig ist. Betreiber, deren Pläne die Vorgaben nicht erfüllen, sollen behördliche Auflagen oder Empfehlungen erhalten.
Ein früherer Ansatz, die Kosten den Herstellern aufzuerlegen, war nach rechtlichen Bedenken verworfen worden. Nun sollen stattdessen die Betreiber selbst für die Entsorgungskosten aufkommen. Zusätzlich sollen Hersteller zu umweltfreundlicheren Designs verpflichtet und Recyclingunternehmen zertifiziert werden, um effizientere Samel- und Verarbeitungsprozesse zu ermöglichen.
(Quelle: The Asahi Shimbun, 19.02.2026)
Hino stellt Japans ersten seriengefertigten Brennstoffzell-Lkw vor
Hino Motors hat gemeinsam mit Toyota den „Hino Profia Z FCV“ entwickelt – Japans ersten großserientauglichen Schwerlast-Lkw mit Brennstoffzellenantrieb und damit einer emissionsfreien Alternative zum Diesel.
Der Profia Z FCV nutzt das von Toyota seit über einem Jahrzehnt entwickelte Brennstoffzellensystem, das auch im Toyota Mirai zum Einsatz kommt. Durch technische Optimierungen und die effiziente Anordnung mehrerer Hochdruck-Wasserstofftanks erreicht das Fahrzeug eine Reichweite von rund 650 km. Die kurze Betankungszeit im Vergleich zur Reichweite soll Logistikabläufe deutlich erleichtern.
Der Marktstart erfolgt zunächst über Leasingmodelle in Regionen mit bestehender Wasserstoffinfrastruktur. Die Hersteller erhoffen sich, dass die Nachfrage nach FC-Lkw den weiteren Ausbau des Tankstellennetzes unterstützt. Derzeit konzentriert auf Metropolräume rund um Tokio und Nagoya.
Die Einführung des Fahrzeugs kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt: Ab dem Geschäftsjahr 2026 werden große Logistikunternehmen in Japan im Rahmen des im Zuge der GX (Green Transformation)-Politik eingeführten ETS (Emission Trading System) als „Großemittenten“ eingestuft. Emissionen über den zugewiesenen Quoten müssen dann über Emissionsrechte oder CO₂-Gutschriften kompensiert werden. Für kleinere Speditionen dürften vor allem steigende Kraftstoffpreise durch die ab 2028 geplante fossile Brennstoffabgabe spürbar werden.
(Quelle: electrive, 23.09.2025)
Japan reagiert auf chinesische Exportstopps: Seltene Erden aus der Tiefsee könnten Abhängigkeit verringern
China friert Lieferungen kritischer Rohstoffe an japanische Unternehmen ein. Japan beschleunigt deshalb die Erschließung eigener Vorkommen, insbesondere aus der Tiefsee bei Minamitorishima.
Die Spannungen zwischen China und Japan verschärfen sich weiter: Peking hat die Lieferung sogenannter Dual-Use-Materialien an 20 japanische Unternehmen mit sofortiger Wirkung gestoppt und weitere Firmen auf eine Beobachtungsliste gesetzt. Zu den betroffenen Unternehmen zählen unter anderem Tochtergesellschaften von Mitsubishi Heavy Industries sowie die Fahrzeughersteller Subaru und Hino. China begründet die Maßnahmen mit Japans angeblicher „Remilitarisierung“ und sicherheitspolitischen Ambitionen.
Der Schritt folgt auf verschärfte Exportbeschränkungen, die China bereits im Vormonat angekündigt hatte. Expert*innen sehen darin ein strategisches Signal an Japan, dessen Regierung nach dem Wahlsieg von Premierministerin Sanae Takaichi eine härtere sicherheitspolitische Linie verfolgt. Die jüngste Eskalation gilt auch als Reaktion auf Takaichis Aussage, eine Invasion Taiwans könne eine existenzielle Bedrohung für Japan darstellen.
Japan ist besonders betroffen, da die nun blockierten Rohstoffe für HighTech-Industrien und Energietechnologien unverzichtbar sind. Unternehmen im Land hatten bereits begonnen, eigene Strukturen aufzubauen, um Risiken in der Lieferkette besser abfedern zu können. Beobachter werten die neuen Maßnahmen Chinas als „Moment der Wahrheit“ für Japans wirtschaftliche Sicherheit.
Gleichzeitig treibt Japan den Aufbau eigener Rohstoffquellen voran. Eine staatlich unterstützte Expedition hat jüngst Schlamm aus 6.000 Metern Tiefe nahe Minamitorishima geborgen, eine Region, die als reich an Seltenen Erden gilt, insbesondere an schwer zugänglichen Elementen. Die Vorkommen sollen bereits in rund zwei Jahren für industrielle Nutzung bereitstehen und könnten die Abhängigkeit von China spürbar reduzieren. Anders als viele klassische Lagerstätten enthalten die Tiefseefundorte zudem kaum radioaktives Material, was ihre Verarbeitung erleichtert.
Die internationale Aufmerksamkeit ist hoch: Zahlreiche Regierungen und Unternehmen beobachten Japans Tiefseebergbau-Projekte als potenziellen Weg, die globale Dominanz Chinas im Markt für kritische Mineralien aufzubrechen. Branchenanalysten betonen, dass angesichts geopolitischer Risiken bei Seltenen Erden zunehmend weniger Kostenfragen zählen – sondern ausschließlich die Versorgungssicherheit.
(Quelle: miningscout, 26.02.2026)
Teijin entwickelt recyceltes Polycarbonat für Fahrzeuge
Der japanische Werkstoffspezialist Teijin hat ein neues, kostengünstiges recyceltes Polycarbonat (PC) entwickelt, das ausreichend Haltbarkeit und Transparenz für den Einsatz in transparenten Automobilkomponenten wie Scheinwerfern bietet.
Wie viele Unternehmen in der automobilen Lieferkette arbeitet auch Teijin mit Hochdruck an neuen Recyclingtechnologien, nicht zuletzt mit Blick auf eine mögliche Verschärfung der EU-Regulierung für Altfahrzeuge (ELV). Das Unternehmen setzt dabei auf ein lösungsmittelbasiertes Verfahren, das sich zwischen herkömmlichem werkstofflichem Recycling und energieintensiver chemischer Rückgewinnung positioniert.
Während beim klassischen Materialrecycling durch Zerkleinerung und Waschen häufig Verunreinigungen zurückbleiben und chemisches Recycling teuer und CO₂-intensiv ist, kombiniert Teijin beide Ansätze: Nach der Vorbehandlung löst ein spezielles Lösungsmittel das kontaminierte Polycarbonat auf, reinigt es und verarbeitet es zu wiederverwendbaren Polymeren. Laut Teijin soll das Ergebnis qualitativ dem ursprünglichen Material entsprechen.
Das Verfahren ermöglicht klarere, hochwertigere PC-Rezyklate als herkömmliche Methoden und verursacht gleichzeitig weniger Umweltbelastungen als chemische Recyclingprozesse. Die Kommerzialisierung ist für das Geschäftsjahr 2026 geplant; parallel dazu forscht Teijin an Verfahren für noch höherwertiges recyceltes Polycarbonat.
(Quelle: Teijin News Release, 12.11.2025)
Neuer PP-Film erleichtert Recycling von Auto-Bauteilen
Japan Polypropylene Corp. entwickelt eine dekorative Polypropylen-Folie, die das Recycling von Fahrzeugteilen deutlich vereinfachen könnte.
Das Unternehmen arbeitet an einer thermisch gut verformbaren PP Folie der Produktreihe Waymax, die sich für Karosserieoberflächen, Innenraumteile oder Gehäuse von Bürogeräten eignet. Anders als herkömmliche Dekorfolien, die häufig aus Acryl, Polycarbonat, Polyethylen oder PVC bestehen, nutzt die neue Lösung das gleiche Material wie das Bauteil, das sie beschichtet. Dadurch entfällt die aufwendige Trennung unterschiedlicher Kunststoffe vor dem Recycling.
Der Einsatz einer PP-Folie könnte zudem Probleme beim Recycling lackierter Fahrzeugteile reduzieren: Bei konventionellen Prozessen führt das einfache Zerkleinern oft zu Qualitäts- und Farbverlusten. Eine lackfreie Oberfläche auf PP-Basis würde diesen Effekt erheblich mindern.
Im Hintergrund steht eine mögliche neue EU-Regulierung für Altfahrzeuge, die verbindliche Rezyklatanteile für Kunststoffe vorschreiben könnte. Für Hersteller eröffnet die PP-Folie damit die Chance, ihre CO₂-Bilanz zu verbessern und zugleich künftige Umweltauflagen im europäischen Markt zu erfüllen.
(Quelle: Japan Polypropylene Corp. , 27.10.2025)
Beton mit negativer CO₂-Bilanz erhält Brandsicherheitszertifizierung
Japans Infrastrukturministerium hat erstmals eine Fassadenwand aus Beton mit negativer CO₂-Bilanz für den Brandschutzeinsatz zugelassen.
Das Verkehrs- und Infrastrukturministerium (MLIT) hat die Brandsicherheitszertifizierung für eine vorgefertigte Vorhangfassade aus Taisei Corporations neuem Material T eConcrete/Carbon Recycle erteilt. Die Bauteile halten einer einstündigen Beflammung stand und können damit in Außenanwendungen sicher eingesetzt werden.
Der Beton ersetzt Zement durch Hochofenschlacke und CO₂ absorbierenden Calciumcarbonat. Während der Herstellung entstehen pro Quadratmeter rund 55 kg CO₂, gleichzeitig werden jedoch 101 kg gebunden. Um ein Aufplatzen des Betons bei Hitze zu verhindern und die Feuerbeständigkeit zu erhöhen, hat Taisei dem Material kurze Polypropylenfasern beigemischt. Trotz der veränderten Zusammensetzung lässt sich das Material mit herkömmlichen Produktionsmethoden verarbeiten.
Für tragende Bauteile gelten allerdings höhere Sicherheitsanforderungen, die umweltfreundlicher Beton bislang nicht erfüllt. Das Ministerium prüft derzeit, ob die bestehenden Normen ausreichend auf emissionsarme Materialien ausgerichtet sind.
Der Baustoffsektor spielt eine bedeutende Rolle bei Japans Klimazielen: Die Zementindustrie verursachte 2020 rund 3 % der nationalen CO₂ Emissionen. Für 2024 wird der Bedarf auf etwa 35 Mio. Tonnen Beton und 71 Mio. m³ Transportbeton geschätzt. Eine schrittweise Substitution durch CO₂ arme oder CO₂ negative Materialien könnte daher einen wichtigen Beitrag zu Japans Ziel der Klimaneutralität bis 2050 leisten.
(Quelle: Nikkei X-Tech, 30.10.2025)
EU-Japan-Centre Webinar zum Thema „Der Markt für Solarenergie in Japan“, 24.02.2026
ECOS-Technikexperte Peter Beck stellte in einem Webinar des EU-Japan-Centre for Industrial Cooperation den japanischen Markt für Solarenergie vor.
Das Webinar richtete sich an europäische KMU, die Marktchancen, politische Entwicklungen und Partnerschaftsmöglichkeiten im japanischen Solarenergiesektor erkunden möchten. Besprochene Inhalte waren:
- Aktueller Stand der Solarenergieindustrie und -technologien in Japan
- Japans Gesetze, Vorschriften und Subventionspolitik für Solarenergietechnologie
- Marktlandschaft und Nachfragetrends
- Wichtige Akteure und Vertriebskanäle
- Auswirkungen auf die Markteintrittsstrategie
Weitere Informationen und Vortragsunterlagen:
https://www.eu-japan.eu/eubusinessinjapan/library/event/about-japan-webinar-series-266-solar-power-industry-market-japan
GJETC Stakeholder-Dialog, 19.02.2026, Berlin
„Wie kann die Energieeffizienzpolitik für die Industrie in Japan und Deutschland verbessert werden?“ - darüber diskutierten die Mitglieder des Deutsch-Japanischen Energiewenderats (GJETC) in einem Stakeholder-Dialog in Berlin.
Der GJETC und das Team der Deutsch-Japanischen Energiepartnerschaft luden ausgewählte Vertreter aus Industrie, Forschung und Verwaltung aus Deutschland und Japan zu einem Austausch zu folgenden Fragen ein:
- Wo stehen Deutschland und Japan in Bezug auf die Energieeffizienz in der Industrie?
- Welche Maßnahmen wurden umgesetzt oder sind geplant? Wie kann das auf der COP 28 vereinbarte Ziel – eine Verdopplung der Energieeffizienz bis 2030 – erreicht werden?
- Wie kann das kosteneffiziente Energieeffizienzpotenzial im Industriesektor besser ausgeschöpft werden?
- Wie kann die praktische Unterstützung für Unternehmen verbessert werden?
Nähere Informationen und erste Empfehlungen:
“Energy & Climate Policy in the Light of (geo)political Changes – Perspectives from Germany and Japan” - Meet the GJETC Council Members, 20.02.2026, Berlin
Kurz nach der Wahl des Unterhauses in Japan diskutierten die Mitglieder des Deutsch-Japanischen Energierats (GJETC) mit Blick auf die politischen Strategien der neuen Regierungen in Deutschland und Japan sowie die aktuellen geopolitischen Herausforderungen aktuelle Aspekte der Energiewende. In dem öffentlichen Outreach-Event reflektierten die deutschen und japanischen Expertinnen und Experten die aktuellen Entwicklungen in der Energie- und Klimapolitik beider Länder und diskutierten sie mit dem Publikum.
GJETC - Meet the Council Members
Minerva Policy Report: Potential of EU-Japan Cooperation in the Area of Green Steel
Both the EU and Japan have committed to climate neutrality by 2050. In the EU, this is anchored in the European Green Deal and operationalised through the Fit for 55 package, the EU Emissions Trading System (ETS) and the Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM). In Japan, it is framed by the Green Transformation (GX) policy, the Basic Hydrogen Strategy, and a series of sectoral and cross-cutting measures. Given steel’s central economic role and its very high emissions, Green Steel has become a strategic test case for industrial decarbonisation in both regions.
The report’s objective is to provide policymakers, industry leaders and research institutions with a structured comparison of how the EU and Japan can accelerate the transition to Green Steel and where cooperation is possible or desirable.
The report is availabel at:
https://www.eu-japan.eu/eubusinessinjapan/library/publication/minerva-policy-report-potential-eu-japan-cooperation-area-green-steel
„Japan Wirtschaftstag“, 31.03.2026, 10:00 - 14:00 Uhr, Bad Langensalza, Thüringen
Gemeinsam mit dem Deutsch-Japanischen Wirtschaftskreis e.V. (DJW) organisiert die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH am 31.03.2026, von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr einen „Japan Wirtschaftstag“ (Networking mit Brunch) im Japanischen Garten in Bad Langensalza, Thüringen.
Pascal Gudorf (ECOS Japan) wird einen Input zum Vertriebsaufbau in Japan geben. Weitere Schwerpunkte sind das Interkulturelle Verständnis für den japanischen Markt und ein Praxisbeispiel zum Markteintritt Japan.
Anmeldung unter:
https://www.thueringen-international.de/event/13325/
(Quelle: DJW)
19. Deutsch-Japanisches Wirtschaftsforum auf der HANNOVER MESSE, 20.04.2026, 15:30 – 17:00 Uhr
In der 19. Ausgabe des etablierten Forums auf der HANNOVER MESSE diskutieren Expertinnen und Experten aus Industrie und Politik beider Länder über Herausforderungen, Innovationen und Kooperationsmöglichkeiten zu Schlüsselthemen, die die Zukunft der industriellen Produktion in Deutschland und Japan prägen werden.
Wie planen deutsche und japanische Industrieunternehmen die Umstellung ihrer Branchen auf „Netto-Null“? Wie können wertvolle Ressourcen eingespart werden? Wie können Deutschland und Japan voneinander lernen?
Darüber diskutieren u.a.
- Satoshi Hashimoto, Metals Strategy Department, JOGMEC Japan Organization for Metals and Energy Security
- Dr. Yasuyuki Nishioka, Industrial Value Chain Initiative
- Kazuo Nakashima, Robot Revolution & Industrial IoT Initiative
- Dr. Thomas Hahn, Fellow Siemens Germany/Lead IMX Council, Plattform Industrie 4.0
Kick-Off Konferenz “Kreislaufwirtschaft in der Bioökonomie in Weser-Ems", 6. Mai 2026, Osnabrück
Mit der Kick-off Konferenz am 6.5. in Osnabrück startet das GRW-Projekt „Kreislaufwirtschaft in der Bioökonomie in der Region Weser-Ems“ offiziell durch!
Seit Anfang 2026 koordiniert ECOS im Auftrag des Landkreises Osnabrück das GRW-Projekt „Kreislaufwirtschaft in der Bioökonomie in der Region Weser-Ems. Ziel ist es, gemeinsam mit Unternehmen, Start-ups, Forschungsinstitutionen und Wirtschaftsförderungen regionale Kreislaufwirtschaft gezielt weiterentwickeln. Der Fokus liegt dabei auf der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion.
Im Zentrum für Umweltkommunikation der DBU werden wir gemeinsam mit den relevanten Akteur*innen aus der Landwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion, Forschung und Verwaltung zentrale Herausforderungen, Chancen und Ansätze für eine kreislauforientierte Bioökonomie in der Region diskutieren. Spannende Impulsvorträge werden zudem Einblicke in die Potenziale biobasierter Produkte sowie in bestehende Netzwerke geben. In interaktiven Workshop-Sessions werden anschließend die Themen regulatorische Herausforderungen, digitale Plattformen, Projektansätze und weitere Fragestellungen angegangen.
DJW Symposium “Sicherheitskooperation im Wandel. Deutschland und Japan im stabilitätspolitischen Dialog”, 24. Juni 2026, 9:30-14:30 Uhr, Düsseldorf
Mit dem diesjährigen Symposium feiert der Deutsch-Japanische Wirtschaftskreis zugleich sein 40jähriges Jubiläum!
Am 24.06.2026 wird es in den Räumlichkeiten der Messe Düsseldorf um die weltpolitische Lage gehen: Kriege an den Grenzen Europas, Spannungen in Ostasien, zunehmende Cyberangriffe und hybride Bedrohungen machen klar, dass Sicherheit und Verteidigung nicht länger als rein militärische Aufgabe verstanden werden können. Sie sind heute ein integraler Bestandteil nationaler Resilienz, wirtschaftlicher Stabilität und internationaler Partnerschaften. Im Zuge zunehmender globaler Konflikte sehen sich Deutschland und Japan mit der Frage konfrontiert, wie sie ihre Sicherheitsstrategien in Einklang mit demokratischen Werten und internationalen Verpflichtungen gestalten können. Das DJW-Symposium 2026 nähert sich diesem Thema objektiv und neutral, um eine sachliche Grundlage für den Dialog zu schaffen. Eingeladen sind als Impulsgeber etablierte Großunternehmen ebenso wie innovative Startups.