Ausgabe 2/2022

Cherry blossom at Shinjuku Gyoen National Garden, ©Yasufumi Nishi © JNTO

 

Die Stimmung war äußerst gedrückt, als wir am 24. Februar in Berlin die 12. Ratssitzung des German-Japanese Energy Transition Councils (GJETC) begannen. Die deutschen Ratsmitglieder am Tisch im Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin waren von den Nachrichten aus der Ukraine ebenso geschockt wie die am Bildschirm zugeschalteten Kollegen aus Japan.

Die drohenden Energieengpässe werden allem Anschein nach auch in Deutschland drastische Maßnahmen notwendig machen. Hier könnten die Erfahrungen mit ad hoc-Energiesparmaßnahmen wie der „Setsuden“ (Stromspar)-Kampagne in Japan nach dem Reaktorunglück von Fukushima hilfreich sein. Wobei hierzulande wohl zusätzlich eine „Setsugas“-Kampagne nötig werden wird, wie die Inkraftsetzung der ersten Stufe des „Notfallplans Gas“ durch Wirtschaftsminister Habeck ahnen lässt.

Dass ein grüner Energieminister sich genötigt sieht, über die Verlängerung von Laufzeiten von Kohlemeilern nachzudenken und international über Lieferungen von Flüssiggas verhandelt, hätte man sich vor Kurzem so nicht vorstellen können. Auch hier ließe sich von Japan lernen, das langjährige Erfahrung beim Aufbau von LNG-Lieferketten hat.

Zugleich macht der eben veröffentlichte IPCC-Bericht deutlich: Der Ausstieg aus den fossilen Energien muss nun noch viel schneller geschehen. Die Lücke zwischen Klimazielen und der tatsächlichen Umsetzung in vielen Ländern deckt der Bericht schonungslos auf.

Mit aktuellen Studien zu Energiewendethemen – ein Vergleich von Langfristszenarien, eine Untersuchung der Rolle von Batterien, sowie der Möglichkeiten zur Dekarbonisierung der Stahlproduktion – will der GJETC zur schnelleren Umsetzung beitragen. Sie sind nun auf der Website zum Download verfügbar.

Welche Strategien deutsche und japanische Unternehmen verfolgen, um in den nächsten Dekaden klimaneutral zu wirtschaften, wird Thema des 15. Deutsch-Japanischen Wirtschaftsforums auf der Hannover Messe sein – endlich wieder in Präsenz! Ich würde mich freuen, den einen oder die andere von Ihnen dort zu treffen.

Herzliche Grüße

Johanna Schilling

 


 

Kishida plant neues Konjunkturpaket

Auch in Japan steigen die Energie-, Rohstoff- und Getreidepreise. Premierminister Fumio Kishida hat seine Minister angewiesen, bis Ende April mit der Ausarbeitung eines neuen Konjunkturpaket zu beginnen, das insbesondere die Haushalte entlasten soll.

Die höchste Priorität hat die rasche Erstellung eines Ausgabenplan. Dabei sollen Reservemittel verwendet werden, die im Fiskaljahr 2022 als Notausgaben zur Bewältigung der Auswirkungen der COVID-19 Pandemie vorgesehen sind. Während Energie- und Getreidepreise sich negativ auf die Wirtschaft auswirkten, wurden Ende März in allen 47 Präfekturen die Corona-Notstandsmaßnahmen aufgehoben. Die liberaldemokratische Partei von Kishida hat über eine Einmalzahlung von 5000 Yen (40$) für Rentner diskutiert, um diese während der Pandemie zu unterstützen. Die jüngste Abwertung des Yen hat Befürchtungen geschürt, dass das Im- und Exportgeschäft Japans beeinträchtigt werden könnte, da die Gewinne aus Exportgeschäften durch höhere Importkosten zunichte gemacht werden könnten.

(Quelle: Kyodo, 01.04.2022)

 

Auswirkungen des Ukraine-Krieges vor allem im Rohstoffbereich

Die Ukraine-Krise hat auch Auswirkungen auf die japanische Wirtschaft. Russland und die Ukraine sind die wichtigsten Lieferanten für Palladium und Neongas.

Aus Russland stammen ca. 40% der japanischen Palladiumimporte, aus der Ukraine über 70% der Neongaseinfuhren. Diese Importgüter machen zwei Drittel der japanischen Einfuhren aus und lagen bei rund 14 Milliarden US-Dollar. Der japanische Außenhandel mit Russland machte 1,4% aus. Das Handelsvolumen mit der Ukraine ist deutlich kleiner: der bilaterale Waren- und Dienstleistungshandel lag bei 1,3 Milliarden US-Dollar, wobei nur 20% davon auf Importe von Japan aus der Ukraine zurückfallen. 80% des Handels basiert auf japanischen Exporten und macht 0,1% des Außenhandel Japans aus.

Die größten Einbußen sind demnach im Handel mit Russland zu erwarten, da Japan sich aktiv für Sanktionen ausspricht. Vor allem der Export der Automobilindustrie ist davon betroffen. Der Wert exportierter Güter kam in 2021 auf fast 7,9 Milliarden US-Dollar, wovon 53% durch den Export von Automobilen und Kfz-Teilen aus Japan zurückfällt. Obwohl Japan keinen Druck von Partnerländern bekommt, könnten die Sanktionen Japan wirtschaftlich schaden.

(Quelle: GTAI, Jürgen Maurer, 16.03.2022)

 

Japan lehnt Zahlungen für russisches Erdgas in Rubel ab - Beteiligung an Sachalin 2 bleibt aber bestehen

Premierminister Fumio Kishida kündigte auf einer Plenarsitzung des Oberhauses an, dass er sich weigern werde, russisches Erdgas in Rubel zu bezahlen. Aus dem Projekt  Sachalin-2 zur Förderung von Erdgas und Öl will Japan aber nicht aussteigen.

Die japanische Abfuhr an Putins Forderung nach einer Bezahlung der Gaslieferungen in Rubel steht im Einklang mit der Ministererklärung des jüngsten Treffens der G7 Energie Minister. Allerdings stellte Kishida in Bezug auf die Ressourcenentwicklungsprojekte Sachalin 1 und Sachalin 2 im nördlich der russischen Pazifikinsel Sachalin im Ochotskischen Meer klar, dass Japan seine Beteiligung nicht zurückziehen wird.

Er betonte, dass die Projekte "zu einer stabilen Versorgung mit langfristiger, kostengünstiger Energie beitragen werden und für die Energiesicherheit wichtig sind". Auf einer Plenarsitzung des Unterhauses am 31. März gab die Regierung dann auch bekannt, dass sie sich nicht aus dem Projekt Sachalin-2 zurückziehen wird. Sachalin 1 ist vom Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie, der Itochu Corporation, der Marubeni Corporation finanziert.

(Quelle: Nikkei Shimbun, 01.04.2022, METI, 10.03.2022)


 

Emissionshandel soll 2023 in Japan starten

Im kommenden Jahr soll in Japan ein Emission Trading System (ETS) eingeführt werden. Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) hat ein Grundkonzept vorgestellt, das die freiwillige Teilnahme von Unternehmen vorsieht.

Am 1. Januar dieses Jahres veröffentlichte das METI das Grundkonzept einer "GX (Green Transformation) League" von Unternehmen, die dem Ziel der Dekarbonisierung bis 2050 zustimmen und sich auch eigene Reduktionsziele zum FY 2030 vorgeben. Zudem wird die Ermittlung des C02-Fußabrucks der beteiligten Unternehmen unterstützt, welche von der Herstellung bis zur Entsorgung der Produkte reicht. Jedes Jahr werden die Fortschritte bei der Erreichung der jeweiligen Reduktionsziele bekannt gegeben. METI erwägt außerdem, besonders fortschrittlichen Unternehmen Subventionen anzubieten.

Dies wird als Meilenstein für die Einführung eines flächendeckenden Emission Trading Systems (ETS) gesehen. In Zukunft wird erwartet, dass jedes Unternehmen seine Emissionsgrenze festlegen wird, so wie es in Europa der Fall ist. Laut METI haben bisher 440 Unternehmen der Idee zugestimmt, deren kumulierter CO2-Ausstoß in etwa 30% des Gesamtausstoßes in Japan ausmacht.

(Quellen: Asahi Shimbun, 01. 02.2022; Nikkei Shimbun, 01.04.2022)

 

Wie „Clean Coal“-Technologien zur Dekarbonisierung von Japans Elektrizitätssektor beitragen sollen

Das langfristige Klimaziel Japans ist „net zero“ in 2050. Um dieses Ziel zu erreichen, muss insbesondere der Elektrizitätssektor rapide dekarbonisiert werden, in dem Kohle nach wie vor eine große Rolle als Energieträger spielt. So genannte „Clean Coal“-Technologien gelten hierbei in Japan als Schlüsseltechnologie.

Ein Ausstieg aus der Kohleverstromung ist in absehbarer Zeit in Japan nicht geplant. Im aktuellen „Strategic Energy Plan“, der Japans Energiemix für das kommende Jahrzehnt vorgibt, soll Kohle im Jahr 2030 immer noch 26% der Energienachfrage decken. Auf der COP 26-Klimakonferenz stellte Premierminister Fumio Kishida klar, dass die Pläne Japans auf die „Umwandlung existierender thermischer Stromerzeugung in eine Null-Emissions-Stromerzeugung“ ausgerichtet seien. Dies soll durch die Einführung von „Clean Coal“- Technologien geschehen.

Analysen von unabhängigen Forschungsinstituten wie „Transition Zero“ zeigen jedoch: auch die fortschrittlichsten Kohletechnologien sind mit hohen Kosten verbunden, was wiederum Investitionen in erneuerbare Energien hemmt, die ein größeres Potenzial zur CO2-Reduktion im Elektrizitätssektor haben.

Die derzeitigen Stromgestehungskosten (LCOE) für die „Clean Coal“-Technologien sind im Durchschnitt doppelt so hoch wie bei der Stromerzeugung durch Solarenergie. Laut Prognosen von Experten wird die Stromerzeugung durch PV und Wind im Jahr 2030 kostengünstiger als alle Möglichkeiten der Kohleverstromung sein. “Im Optimalfall werden diese Technologien eine marginale Emissionsreduktion nach sich ziehen, im schlimmsten Fall werden sie die energieunsichere, kosten- und kohlenstoffintensive Lebenszeit der Kohlekraftwerke verlängern“, sagt Jacqueline Tao, eine Analystin des Thinktanks Transition Zero.

Die durchschnittlichen CO2-Emissionen von Kohletechnologien, welche nicht mit neuen Ansätzen wie CO2-Abscheidung und -speicherung (CCS) verbunden sind, sind sogar fünfmal höher als sie nach den Richtwerten sein dürften, um bis 2030 das Zwischenziel auf dem Weg zur Netto-Null zu erreichen. CCS allein ist ebenfalls durch nicht ausreichende geologische Lagerungskapazitäten in Japan eingeschränkt. Die CO2-Speicher könnten nach den Expertenanalysen schon nach einem Jahrzehnt nicht mehr genügen.

(Quellen: TransitionZero, 14.02.2022; EcoBusiness, 14.02.2022)

Ukraine-Krise zeigt Wirkung: Offshore-Windkraftanlagen sollen früher ans Netz

Wie in Deutschland sollen auch in Japan die Genehmigungskriterien für die Nutzung von Offshore-Windenergie überarbeitet werden, um den Ausbau zu beschleunigen. Die Förderung der heimischen Energiequelle mit erneuerbaren Energien ist wichtig für die Dekarbonisierung und Gewährleistung der Energiesicherheit in Japan, vor allem im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse in der Ukraine.

„Nach der Situation in der Ukraine ist die Einführung der erneuerbaren Energien als einheimische Energiequelle zur Dekarbonisierung [..] auch im Hinblick auf die Gewährleistung der Energiesicherheit von entscheidender Bedeutung“, so Industrieminister Koichi Hagiuda in einem kürzlichen Statement. Viele im Bereich von Offshore-Windkraft tätige Unternehmen hatten sich in der Vergangenheit beschwert, dass die Kriterien der Regierung zu kostenorientiert seien.

Die japanische Stromerzeugung soll bis zum Jahr 2030 zu 36% bis 38% durch erneuerbare Energien erfolgen. Nach dem im Oktober 2021 beschlossenen sechsten „Strategic Energy Plan“ soll die Offshore-Windenergie als „treibende Kraft“ der erneuerbaren Energien positioniert werden, um Treibhausgasneutralität bis 2050 zu erreichen.

Die angestrebte Unabhängigkeit Japans von Energieimporten wurde durch die russische Invasion in der Ukraine noch beschleunigt. Laut der Japan External Trade Organization (JETRO) kamen im Jahr 2021 zwar nur 3,6% der japanischen Rohölimporte und 8,8% der Flüssiggasimporte aus Russland. Indirekt spürbar sind jedoch die angestiegenen Preise für Rohstoffe und Materialien.

(Quelle: Sumikai, Michael Ziegler, 19.03.2022; GTAI, Jürgen Maurer, 16.03.2022)

KEPCO beteiligt sich an einem der der größten Offshore-Windkraftprojekte in Deutschland

Das Unternehmen KEPCO beteiligt sich erstmalig an dem Bau eines großen Offshore- Windprojekts in Deutschland.  Erbaut werden soll die dritte „Riffgrund“-Farm vor der Insel Borkum. Die Inbetriebnahme ist für das Jahr 2025 geplant.

Am 10. Februar unterzeichnete KEPCO zusammen mit Glennmont Partners eine Vereinbarung für das Offshore-Windparkprojekt Borkum Riffgrund. Das Projekt ist eines der größten Offshore-Windkraftprojekte in Deutschland und soll im Jahr 2025 den kommerziellen Betrieb aufnehmen.

Es ist das erste Mal, dass sich KEPCO an einem Stromerzeugungsprojekt in Deutschland beteiligt. Durch die Beteiligung an diesem Projekt will KEPCO einen Beitrag zur CO2-freien Energieerzeugung außerhalb Japans leisten und gleichzeitig die dort gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse auf Offshore-Windenergieprojekte in Japan anwenden.

Das Projekt wurde von Ørsted entwickelt und soll eine Leistung von 0,9 Millionen kW haben. KEPCO hat über KPIC Netherlands einen Anteil von etwa 3,5 % an dem Projekt erworben. Zusammen mit diesem Projekt beträgt die Gesamtkapazität von KEPCO bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Übersee rund 1087 MW, die Gesamtkapazität der Stromerzeugung im Ausland 2876 MW.

(Quelle: KEPCO, 22.02.2022)

 

Air Water und Kajima Corporation stellen Wasserstoff aus Viehdung her

Das Unternehmen „Shikai Hydrogen Farm“ wurde am 4. März dieses Jahres von Air Water, Kajima Corporation und Air Water Hokkaido gegründet. Es soll mit aus Biogas produziertem Wasserstoff handeln, welcher wiederum mithilfe von Viehdung erzeugt wird. Im April soll das Projekt der drei Unternehmen starten.

Am 4. März gründeten Air Water, Air Water Hokkaido und Kajima Corporation gemeinsam ein neues Unternehmen namens Shikai Hydrogen Farm. Dieses Unternehmen produziert und verkauft Wasserstoff, der aus Biogas aus Viehdung in Shikaoi-cho, Hokkaido, gewonnen wird. Das Projekt soll im April anlaufen. Die tägliche Wasserstoffproduktionskapazität entspricht der vollständigen Betankung von 30 Brennstoffzellfahrzeugen.

Der erzeugte Wasserstoff soll zur Betankung von Brennstoffzellenfahrzeugen und Brennstoffzellen-Gabelstaplern an stationären Wasserstofftankstellen in der Nähe der Produktionsanlagen verkauft werden. Zudem soll der Wasserstoff in Hochdruckbehältern gespeichert und für Brennstoffzell-KWK-Anlagen in der Stadt Shikaoi und in nahegelegenen Einrichtungen sowie als industrieller Wasserstoff an Fabriken geliefert werden. Alle Verkaufsorte sollen innerhalb von Shikaoi, der Region Tokachi und Hokkaido, liegen, um lokale Produktion und lokalen Verbrauch erneuerbarer Energie zu fördern.

(Quelle: Kankyo Business, 08.03.2022; Nikkei Shimbun, 04.03.2022; Air Water, 04.03.2022)

 

JR Ostjapan stellt ersten japanischen Wasserstoff-Hybridzug vor

Der erste japanische Wasserstoff-Hybridzug „HYBARI“ wurde im März auf der Nambu-Linie im Großraum Tokyo und anderen Strecken getestet und soll im Jahr 2030 in den praktischen Einsatz gehen.

Der HYBARI ist der erste Hybridzug Japans, der sowohl mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen als auch Akkumulatoren verwendet. Die Tanks an Bord des Zuges sind mit Wasserstoff gefüllt, der der Brennstoffzelleneinheit zugeführt wird und mit dem Sauerstoff der Luft chemisch reagiert, um Strom zu erzeugen. Die Züge werden mit Strom aus den Brennstoffzellen und mit Strom, der beim Bremsen in die Akkus geladen wird, betrieben, so dass während der Fahrt kein CO2 ausgestoßen wird.

Auf der Pendlerstrecke Nambu Line, die zwischen Kawasaki und Tachikawa quer durch die Metropolregion Tokyo führt, wurde der HYBARI bereits getestet. Ab 2030 soll er in der Praxis auf mehreren Strecken zum Einsatz kommen.

Der HYBARI vereint Hitachis Hybridantriebssystemtechnologien für Schienenfahrzeuge und Knowhow, das Toyota aus der Entwicklung des Brennstoffzellen-Elektrofahrzeugs Mirai und des Brennstoffzellenbusses SORA eingebracht hat. Die in Automobilen verwendeten Brennstoffzellen wurden für die Anwendung auf der Schiene entsprechend angepasst.

(Quelle: Nikkei Shimbun, 18.02.2022; Toyota Newsroom, 06.10.2020)

Quelle: Toyota

Joint Venture: Honda und Sony wollen gemeinsam Elektroautos produzieren

Noch in diesem Jahr möchten die Großkonzerne Honda und Sony ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, das ab dem Jahr 2025 die ersten Elektroautos produzieren und verkaufen soll.

Auch wenn es nicht unbedingt üblich für Japan ist, schließen sich die beiden Riesenunternehmen Honda und Sony zusammen, um ein gemeinsames Projekt zur Produktion von E-Autos zu starten. Unüblich für die Branche sind solche Allianzen jedoch nicht mehr: Neben Sony planen auch Unternehmen wie Apple oder Tencent seit längerem den Einstieg in den Elektroautomarkt. Schon vor zwei Jahren hatte Sony erste E-Auto-Konzepte vorgestellt, seit diesem Jahr ist sogar ein weiteres konkretes Konzept zu einem Kompakt-SUV namens „Vision 02“ präsentiert worden.

Sony möchte durch das Joint Venture die „Evolution in der Mobilität“ anführen, indem sie die langjährige Erfahrung von Honda im Bereich Produktion und Entwicklung von Autos mit dem Wissen von Sony in der Technologie verbinden, so Sony-Chef Kenichiro Yoshida. Ganz konkret soll Sony die Erfahrungen aus Bereichen Entertainment, Telekommunikation, Netzwerke und Unterhaltung einbringen und die Mobilitätsdienste entwickeln. Honda soll hingegen für die Produktion, den Vertrieb und die Technologie zuständig sein. Auch einen Börsengang schließt Honda-Chef Toshihiro Mibe nicht aus.

Honda selbst arbeitet unterdessen schon mit dem Konzern General Motors zusammen. Die Unternehmen haben bereits ein Elektroauto-Programm erstellt, das parallel zu dem neuen Joint Venture laufen soll.

(Quelle: Manager Magazine, lhy/Reuters, 04.03.2022)

 

CCU: Demonstrationsprojekt zum Recycling von CO2 aus Müllverbrennung

Tokyo Gas will in Zusammenarbeit mit der Stadt Yokohama und Mitsubishi Heavy Industries ab Januar 2023 Demonstrationstests zur Abscheidung und Rückgewinnung von CO2 aus Müllverbrennungsanlagen durchführen.

Bei den Demonstrationsprojekten wird untersucht, wie sich CO2, das hauptsächlich aus Biomasse stammt und bei der Verbrennung von Hausmüll in der Müllverbrennungsanlage der Stadt Yokohama entsteht, nach Abtrennung und Rückgewinnung aus dem Abgas effizient recyceln lässt. Zum Einsatz kommen hier CCU (Carbon Capture and Usage)-Technologien von Mitsubishi Heavy Industries, mit dem das abgeschiedene CO2 in ein vielseitiges Industriegas sowie in einen Rohstoff für die Methanisierung umgewandelt werden kann.

(Quelle: Kankyo Business, 24.02.2022)

 

Neues Gesetz und Initiative zur Reduktion von Plastikmüll

Schätzungsweise 8 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jährlich in die Ozeane der Erde. Zehn große japanische Firmen haben nun gemeinsam mit dem World Wildlife Fund (WWF) eine Initiative namens „Plastic Circular Challenge 2025“ gegründet, um nicht notwendiges Einwegplastik zu vermindern und mehr recycelte Materialien zu nutzen.

Am 1. April ist in Japan das Gesetz zur Förderung des Recyclings von Kunststoffen in Kraft getreten, mit dem die Verwendung von bisher kostenlos ausgegebenem Einwegplastik in Lebensmittelgeschäften und Supermärkten eingeschränkt wird. Dazu gehören Löffel und Becher, die in Restaurants, Lebensmittelgeschäften und Supermärkten ausgegeben werden, Haarbürsten und Zahnbürsten, die von Hotels zur Verfügung gestellt werden, Kleiderbügel in Textilreinigungen und 12 weitere Artikel. Es ist jedem Unternehmen freigestellt, seine eigenen Reduktionsziele festzulegen, aber es können Bußgelder von bis zu 500.000 Yen verhängt werden, wenn es zu keiner Reduktion oder zu einem Anstieg kommt. Die Unternehmen (z.B. Supermärkte oder Restaurants) müssen mindestens eine der folgenden Maßnahmen ergreifen: Gebühren für Einweg-Plastikprodukte verlangen; Kunden explizit fragen, ob sie den Gegenstand wünschen; Bonuspunkte für die Kunden bieten, die Einwegplastik ablehnen; Plastikprodukte leichter machen oder umweltfreundliches Material nutzen; recycelbare Produkte anbieten.

Zehn große japanische Unternehmen gehen noch einen Schritt weiter: Auf Initiative von WWF Japan beteiligen sie sich an der „Plastic Circular Challenge“. Um bis 2025 die Mengen an Plastikmüll deutlich zu reduzieren, haben sich die teilnehmenden Unternehmen verpflichtet, die folgenden fünf Initiativen zu ergreifen:

  • Einstellung der Verwendung problematischer und nicht notwendiger Kunststoff-Gegenstände / Rücksicht auf die Nachhaltigkeit bei der Umstellung auf alternative Materialien
  • Umstellung auf Wiederverwendung (einschließlich Wiederverwendung von anderen Materialien) im möglichen Rahmen
  • Umstellung auf recyclebare Designs
  • Setzen von ambitionierten Zielen für die Verwendung von recycelten Materialien
  • Zusammenarbeit mit Interessengruppen zur Erhöhung der Wiederverwendungs - und Recyclingquoten.

Zu den teilnehmenden Unternehmen gehören z.B. die Fluggesesellschaft Japan Airlines oder die Lion Corporation.  Die Nutzung von Einwegplastik soll eingeschränkt und der Gebrauch von mehr alternativen, recycelten Materialen erhöht werden. So plant der Getränkehersteller „Suntory“ den Anteil der recycelten oder pflanzenbasierten Materialien in jeder Plastikflasche bis zum Ende des Jahres auf 50% erhöhen, langfristig sogar auf 100%. Der Konsumguthersteller „Unilever Japan“ hingegen erwägt, Shampoo in Zukunft nach Gewicht zu verkaufen, so dass weniger Verpackung nötig ist.

(Quellen: Asahi Shimbun 29.03.2022, JapanBullet, 30.03.2022; Nikkei Shimbun, 01.04.2022)


 

Market Opportunities in Germany’s growing Hydrogen Ecosystem

Webinar, 14.03.2022

NRW.Global Business und Germany Trade & Invest informierten in einer von Energy Engineers und ECOS organisierten Online-Veranstaltung über Businessmöglichkeiten im Bereich Wasserstoff in der Region Nordrhein-Westfalen.

Experten u.a. von Mitsubishi Power Europe GmbH, 2G Energy und dem H2UB zeigten, warum Investitionen in den deutschen und nordrhein-westfälischen Wasserstoff- und Brennstoffzellenmarkt attraktiv und profitabel für japanische Unternehmen sind.

Germany’s Energy Transition - Missing links for a successful implementation of 100% Renewables

Webinar, 01.03.2022

In dem von ECOS organisierten Webinar informierte die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) über Schlüsseltechnologien für die erfolgreiche Energiewende: Management von fluktuierenden Stromlasten, Batterien der nächsten Generation, Netzprognosen und Wasserstofftechnologien/-infrastruktur wie z.B. kompakte H2-Versorgungssysteme für dezentralisierte Anwendungen.

Das Online-Seminar gab Vertretern japanischer Unternehmen Einblicke in das Marktpotenzial und zeigt die ersten, essenziellen Schritte und mögliche Förderungen für eine erfolgreiche Investition.

Städte und Kommunen auf dem Weg zu Net Zero

Virtuelles Symposium, 01. – 02. März 2022

Sowohl Deutschland als auch Japan streben Treibhausgasneutralität („Net-Zero") bis Mitte des Jahrhunderts an. Die Umsetzung der Maßnahmen wird vor allem in Städten und Gemeinden erfolgen müssen. Das Symposium ermöglichte einen Austausch zwischen Städten und Gemeinden, die bereits wichtige Schritte in Richtung einer grünen und klimafreundlichen Zukunft unternommen haben. Modell-Kommunen wurden eingeladen, sich über Handlungsweisen auszutauschen und voneinander zu lernen.

https://net-zero-cities.de/de

GJETC Ratssitzung 2022

24.-25. Februar 2022, Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin + online

Im Mittelpunkt der ersten Ratssitzung des German-Japanese Energy Transition Council (GJETC) in diesem Jahr standen die Präsentationen der deutsch-japanischen Studien wie die Dekarbonisierung der Stahlindustrie, langfristige Szenarien zur Erreichung der Klimaneutralität und die Rolle von Batterien in der Energiewende. Vor dem Hintergrund der jüngsten Regierungswechsel in Deutschland und Japan und dem Eindruck des Krieges in der Ukraine diskutierten die deutschen und japanischen Ratsmitglieder auch die Auswirkungen auf die jeweilige Klimapolitik. Mit der sozial-ökologischen Transformation zur Klimaneutralität ergeben sich neue Forschungsfragen, die Gegenstand weiterer Studien sein könnten.

Drei aktuelle Studien – ein Bergleich von Langfristszenarien der Energieversorgung in Japan und Deutschland, eine Untersuchung der Rolle von dezentralen Energiespeichern für die Energiewende sowie der Strategien und Möglichkeiten zur Dekarbonisierung der Stahlproduktion – sind jetzt auf der Website verfügbar.

Der GJETC hat seit seiner Gründung im Frühjahr 2016 einen wichtigen Beitrag zur deutsch-japanischen Zusammenarbeit im Klimaschutz geleistet. Durch den bilateralen Wissensaustausch zu energie- und klimapolitischen Fragen, die Erstellung von Studien und Empfehlungen an die deutsche und japanische Regierung wird eine ambitionierte Energiewendepolitik verfolgt. In der aktuellen Arbeitsphase wurde der Kooperationsrat durch das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) und das deutsche Bundesumweltministerium unterstützt.

www.gjetc.org


 

Deutsch-Japanisches Wirtschaftsforum – „Mission Net Zero: Wie gelingt der deutschen und japanischen Industrie der Wandel?“

30.Mai 2022, 10:00-13.00 Uhr CEST / 17:00-20:00 JST, Energy 4.0 Conference Stage, Halle 12, Hannover Messe und online

Die Industrie ist weltweit für rund 30% der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Jedes Unternehmen steht in der Pflicht, den CO2-Fußabdruck der gesamten Wertschöpfungskette und unternehmerischen Tätigkeit zu verringern. Viele Großunternehmen, aber auch KMU haben entsprechende Strategien oder Technologien entwickelt. Doch das Umstellen auf eine CO2-neutrale und nachhaltige Produktion bedeutet für viele Branchen eine große Herausforderung.

Welche Strategien haben die Unternehmen in Japan und Deutschland, um spätestens in 2050 klimaneutral zu werden? Welche Technologien und politischen Rahmenbedingungen sind dabei entscheidend? Und wie können die zentralen Herausforderungen des Übergangsprozesses in Chancen verwandelt werden? Darüber diskutieren Experten aus der deutschen und japanischen Industrie auf dem 15. Deutsch-Japanischen Wirtschaftsforum auf der Hannover Messe.

Veranstalter ist die Deutsche Messe in Zusammenarbeit mit ECOS Consult und der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan.

Weitere Informationen folgen in Kürze.

https://www.ecos.eu/de/veranstaltungen/details/15-deutsch-japanisches-wirtschaftsforum.html

Save-the-Date: 12. Deutsch-Japanisches Umwelt und Energiedialogforum

The role of Cities and Municipalities on the Way to ‘Net Zero’, 6./7. September 2022, Berlin

Mehr als 90 % der Bevölkerung in Japan und 75 % der deutschen Bevölkerung leben in Städten. Städtische Infrastrukturen sind stark vom Klimawandel betroffen. Städte – Metropolregionen ebenso wie Kommunen – können eine Antwort auf die Auswirkungen des Klimawandels geben und einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung der Treibhausgasemissionen leisten. Viele Städte in Japan und Deutschland haben sich bereits ehrgeizige Ziele für die Klimaneutralität und Aktivitäten für den Übergang zu klimafreundlichen, resilienten und lebenswerten Städten gesetzt. Als Technologie- und Innovationsführer führen Deutschland und Japan den globalen „Race to Zero“ an.

Das 12. Environment and Energy Dialogue Forum, das am 6. und 7. September 2022 in Berlin - nicht wie zuvor angekündigt in Tokyo! - stattfindet, gibt einen Einblick in politische Maßnahmen zur Unterstützung von Städten auf dem Weg zur „Netto-Null“. Akteure aus Städten und Gemeinden sowie Industrie und Wissenschaft präsentieren Beispiele für Konzepte, bewährte Verfahren, Demonstrationsprojekte und innovative Technologien in Deutschland und Japan für Smart Grids, Nutzung von erneuerbaren Energien und Wasserstoff im städtischen Umfeld, Mobilitätskonzepte, Wärmeverbünde sowie urbane Kreislaufwirtschaft.

Nähere Informationen folgen in Kürze.