Japan setzt sich 40% Erneuerbare-Energien-Anteil bis 2030 als Ziel

Umweltminister Koizumi gab am 15.12.2020 bekannt, dass erneuerbare Energien bis 2030 mindestens zu 40% zur Stromversorgung des Landes beitragen sollen.

Der derzeitige Anteil liegt mit 18% bei nur knapp der Hälfte der neuen Vorgabe. Hintergrund des ambitionierten Zieles ist die kurz zuvor gemachte Erklärung von Premierminister Suga, Japan wolle bis 2050 klimaneutral werden. Insbesondere in ländlichen Gebieten sollen erneuerbare Energien zur Hauptenergiequelle werden. Für dieses Vorhaben stellt das Ministerium einen Nachtragshaushalt von 20 Mrd. JPY (158 Mio. Euro) für das Geschäftsjahr 2020 zu Verfügung. Zusätzlich soll ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, der die neuen Ziele fest in der Umweltpolitik verankert.

(Quelle: Nikkei Shimbun, 15.12.2020, 21.12.2020)

 

„Green Growth Strategy“ bekannt gegeben

In Zusammenhang mit dem neuen Ziel der Klimaneutralität hat die japanische Regierung am 25.12.2020 eine „Green Growth Strategy“ veröffentlicht.

Der Plan umfasst 14 Wirtschaftsbereiche, darunter die Entwicklung eines stabilen Stromnetzes und Technologieentwicklungen im Bereich der Offshore-Windenergie. Das konkrete Ausbauziel für Offshore-Wind ist mit 10GW bis 2030 und 30-45GW bis 2040 festgelegt. Wasserstoff ist ebenfalls teil der „Growth Strategy“. Bis 2030 sollen rund 3 Mio. Tonnen und bis 2050 etwa 20 Mio. Tonnen Erzeugungskapazität installiert werden. Zudem wird angestrebt die Erzeugungskosten auf das Niveau von Gas zu senken. Die japanische Regierung fördert aktiv die Einführung von Brennstoffzellenfahrzeugen und Wasserstofftankstellen. Auch für die Kernenergie wurden konkrete Ziele bekanntgegeben. Kleine modulare Reaktoren (SMRs), gasgekühlte Hochtemperaturreaktoren (HTRs) und Kernfusion statt Kernspaltung stellen die „nächste Generation“ der Kernreaktoren dar. Einen weiteren Wachstumsmarkt sieht die Regierung in der Speicherung von CO2. Sie geht von einem Wachstum auf 10 Billionen JPY (ca. 79 Mrd. Euro) bis 2050 aus und möchte bis dahin einen Marktanteil von 30% erreichen.

(Quellen: Pressemitteilung des METI, 25.12.2020; Nikkei Shimbun, 25.12.2020)

 

Erste Ausschreibungsrunde für Offshore-Windenergie erfolglos

Die vom Japan Institute for Low Carbon Investment veranstaltete Ausschreibungsrunde für die Energieerzeugung aus Offshore-Windkraft ging ohne Zuschlag aus.

Grund dafür war, dass das einzig abgegebene Gebot den Höchstpreis von 34 JPY/kWh (ca. 0,27 Euro/kWh) übertraf. Ausgeschrieben war eine Kapazität von 120MW, die jedoch nicht für eine der neuen Offshore-Wind-Zonen vorgesehen war. Im Zuge der Ausschreibung wurden Gebote kleinerer Betreiber angefragt, deren Projekte eine Größe von ca. 30MW haben und von den jeweiligen Präfekturen statt der Zentralregierung verwaltet werden.

(Quellen: Kankyo Business, 07.01.2021)

 

Shell, Mitsubishi und Vattenfall planen Wasserstoff-Großprojekt

Ein deutsch-japanisches Konsortium plant am Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg einen 100 Megawatt-Elektrolyseur.

In fünf Jahren könnte an dem Standort eine der größten Anlagen in Europa zur Produktion von „grünem“ Wasserstoff entstehen. Das Konsortium aus Shell, Mitsubishi und Vattenfall plant eine Power-to-X Anlage mit der Leistung von mindestens 100 Megawatt. Über einen 380-kV-Anschluss und die Verbindung zu Brunsbüttel hat die Anlage direkten Zugriff auf die Versorgung mit Windstrom, so dass tatsächlich „grüner“ Wasserstoff im industriellen Maßstab produziert werden kann. Auch die gute Anbindung an das nationale Stromnetz und die nahe gelegenen Hafenlagen sprechen für den Standort. Ein Auftrag auf Unterstützung durch die EU soll noch im ersten Quartal 2021 gestellt werden, die finale Investitionsentscheidung steht allerdings noch aus.

(Quelle: Handelsblatt, 22.01.2021)

 

CO2-Abscheidung mit Biomasse: neue ICEF 2020 Roadmap

Das Sekretariat des von der japanischen NEDO veranstalteten Innovation for Cool Earth Forum (ICEF) hat eine Roadmap zur Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff durch Biomasse veröffentlicht.

Die Roadmap wurde im Zusammenhang mit dem 7. Innovation for Cool Earth Forum im Oktober 2020 von einem internationalen Autorenteam erstellt und im Januar 2021 veröffentlicht. Die Studie zeigt Möglichkeiten, Biomasse wie etwas organische Abfälle aus der Land- und Forstwirtschaft, Bioenergiepflanzen oder Mikroalgen zu nutzen, um CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen und unterirdisch zu speichern. Betrachtet werden vor allem das technische Potenzial der CO2-Speicherung sowie Maßnahmen zur Vermeidung von Umweltschäden. Die Autoren schlagen als neuen Fachbegriff “biomass carbon removal and storage (BiCRS)” vor, da es die Technologie besser beschreibe als der bisherige Begriff „bioenergy with carbon capture and storage (BECCS)“.

(Quelle: icef-forum.org, 01.2021)

 

Klimaneutralität bis 2050 beschlossen – CO2-Bepreisung im Gespräch

Nachdem China vorgelegt hatte, kündigte auch Japans Premierminister Suga an, dass die japanische Wirtschaft bis 2050 treibhausgasneutral werden soll. Neben Energieeinsparung, Ausbau der erneuerbaren Energien und der Wasserstoffwirtschaft ist auch CO2-Bepreisung als ein mögliches Instrument im Gespräch.

Insbesondere das Umweltministerium setzt seine Hoffnungen auf die Einführung einer CO2-Steuer oder eines Emission Trading System (ETS) nach dem Vorbild der EU, um Unternehmen und Haushalte zur Reduktion der Emissionen anzuregen und Japan dabei zu helfen, seine Treibhausgasemissionen zu senken. Zurückhaltend reagieren bisher allerdings einige Unternehmen, die durch Emissionssteuern ihre Profite in Gefahr sehen. Das Wirtschaftsministerium (METI) will Mitte Februar eine Arbeitsgruppe zur Vorbereitung einer möglichen Einführung von CO2-Bepreisung einrichten. Das japanische Umweltministerium (MoEJ) ist als Beobachter vertreten. Im Zusammenhang mit dem Ziel der Klimaneutralität scheint nun endlich eine gewisse Dynamik in eine Diskussion gekommen zu sein, die seit vielen Jahren feststeckt.

(Quellen: Kyodo News, 19.12.2020, Sankei Biz, 27.1.2021, Carbon Pulse, 26.1.2021)

 

 

Japanische Konzerne befürworten ehrgeizigere Energiewende

Die „Japan Climate Initiative“ fordert bis 2030 den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf 40 bis 50 Prozent zu erhöhen.

92 japanische Unternehmen haben die japanische Regierung öffentlich zu mehr Ehrgeiz bei der Umsetzung der Energiewende aufgerufen. Noch gilt das bisherige Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 22 bis 24 Prozent zu steigern. Nun will Japan aber bis 2050 treibhausgasneutral werden. Experten und Klimaschützer kritisierten dies schon lange als unzureichend. Damit Japan globaler Vorreiter beim Kampf gegen der Klimawandel werden kann, muss das Ziel viel ehrgeiziger sein, heißt es in dem u.a. von namhaften Großunternehmen wie Sony, Panasonic, Nissan, Toshiba und Fujifilm unterzeichneten Appell.

(Quellen: Japan Climate Initiative, 18.01.2021, Umwelt-Panorama, 18.1.2021)

 

Offshore Windenergie soll bis 2040 kräftig ausbaut werden

Bisher stand bei Ausbau der Erneuerbaren vor allem Solarstrom im Fokus der japanischen Regierung. Um bis 2050 klimaneutral zu werden, will Japan nun aber verstärkt die Potenziale der Offshore-Windkraft ausbauen.

Führende Vertreter der japanischen Windindustrie kamen Mitte Dezember 2020 zu einem von der Regierung einberufenden Dialog mit Vertretern des METI (Wirtschaftsministerium) und MLIT (Ministerium für Infrastruktur, Verkehr und Tourismus) zusammen. Die Arbeitsgruppe verabschiedete anschließend eine „Vision der Offshore-Windindustrie“; demnach soll die installierte Offshore Windkraftkapazität in Japan stufenweise bis 2030 auf 10 GW und bis 2040 auf 30 bis 45 GW ausgebaut werden. Grundlage dafür soll der japanische Einspeisetarif (FIT)s für erneuerbare Energien ein. Die Regierung will so einen attraktiven heimischen Offshore Windkraftmarkt entwickeln. Mit fast 39.000 km Küstenlinie hat Japan ein gewaltiges Offshore Windpotenzial. Allerdings gibt es nur wenige Regionen mit flach abfallenden Küsten, die attraktivsten Wasserflächen mit hohen Windgeschwindigkeiten befinden sich in Tiefwasserregionen.

(Quelle: IWR News, 19.1.2021)

 

Schwimmende Windkraftanlagen werden wieder abgebaut

Trotz des laufenden Aufbaus der Offshore-Windkraft sollen Medienberichten zufolge im nächsten Jahr zwei schwimmende Offshore-Windkraftanlagen an einem Teststandort vor der Küste von Fukushima stillgelegt werden.

Das Wirtschaftsministerium (METI) hat rund 5 Mrd. JPY (48 Mio. USD) für die Entfernung der beiden Hitachi-Turbinen bereitgestellt. Laut der Japan Wind Power Association (JWPA) werden die Turbinen stillgelegt, weil sie aufgrund ihrer geringen Verfügbarkeit unrentabel sind. Die Turbinen wurden an einem Teststandort in der Nähe des alten Kernkraftwerks Fukushima Daiichi installiert, das 2011 von dem Tsunami zerstört wurde.

(Quelle: Windpower Monthly, 14.12.2020)

 

MHI Vestas Japan geht an den Start

Der japanische Industriekonzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI) und der dänische Windkraftexperte Vestas wollen mit ihrem Joint Venture gemeinsam auf dem Markt für Onshore- und Offshore-Windturbinen aktiv werden.

MHI ist zu 70 Prozent an dem Joint Venture beteiligt, Vestas kontrolliert die restlichen 30 Prozent. Das Joint Venture entstand durch eine Partnerschaftsvereinbarung, nach der Vestas die Anteile von MHI am bisherigen Joint Venture MHI Vestas Offshore Wind erworben hat. Vestas ist derzeit dabei, MHI Vestas in seine Geschäftstätigkeit zu integrieren. Da die japanische Regierung die Offshore-Windenergie als eine wichtige zukünftige Energiequelle massiv ausbauen will, sieht MHI hier großes Potenzial.

(Quelle: OffshoreWIND.biz, 1.2.2021)

 

Toyota baut H2-Aktivitäten in Europa aus

Mit der Fuel Cell Business Group mit Sitz in Brüssel Toyota hat der Automobilkonzern in Europa eine neue Geschäftseinheit für seine Brennstoffzellen- und Wasserstoff-Aktivitäten gegründet.

Toyota Motor Europe will von Brüssel aus künftig ihre Wasserstoff-Aktivitäten in Europa steuern und eng mit Industriepartnern, nationalen und regionalen Regierungen und Organisationen zusammenarbeiten. Der Hybrid-Pionier Toyota investiert in vielfältige Fahrzeuge der nächsten Generation und konzentriert sich nicht nur auf Batterie- oder Brennstoffzellenantrieb allein. Mit der neuen Geschäftseinheit soll aktiv am Aufbau von Wasserstoff-Ökosystemen insbesondere im Bereich Mobilität mitgearbeitet werden. Thiebault Paquet, Direktor der neuen Fuel Cell Business Group, geht davon aus, dass der weltweite Absatz der Toyota-Brennstoffzellensysteme kurzfristig um den Faktor zehn steigen wird.

(Quelle: Electrive.net, 7.12.2020)

 

Skandal: japanische Staatsbank nutzt Umweltfonds zur Finanzierung von Kohlekraftwerk in Vietnam

Im Dezember 2020 kündigte die Japan Bank for International Cooperation (JBIC) an, dass sie über ihren Growth Investment Fund 636 Millionen Dollar in das umstrittene Projekt Vung Ang 2 investieren wird.

Eine japanische Staatsbank nutzt einen Investmentfond für die “Entwicklung von Infrastruktur für Umweltschutz und nachhaltiges Wachstum“, um ein vietnamesisches Kohlekraftwerk zu finanzieren – das führte zu Vorwürfen, hier werde ein „ungeheuerliches Greenwashing" betrieben. Bei der Auflage des Fonds im Mai 2018 sagte der japanische Finanzminister Taro Aso, dass damit "eine Vielzahl von Infrastrukturprojekten unterstützt wird, die zur Erhaltung der Umwelt beitragen", wie z. B. öffentliche Verkehrsmittel und Windkraft.

Die Pressemitteilungen der Bank zeigen jedoch, dass der Fonds fünf Gaskraftwerk-Projekte unterstützt hat und nur zwei im Bereich Windkraft und einen in der Herstellung von Solarmodulen. In einer politischen Präsentation eines hochrangigen JBIC-Vertreters vom August 2020 werden Gas- und hocheffiziente Kohlekraftwerke als förderfähig für eine „Umweltfinanzierung“ aufgeführt, obwohl die Verbrennung fossiler Brennstoffe der Haupttreiber der globalen Erwärmung ist

(Quelle: Climate Home News, 19.1.2021)

 

Strom aus Wellenkraft

Das Schiffsbauunternehmen Mitsui O.S.K. Lines Ltd. erwägt den Einstieg in die Wellenenergieerzeugung.

Um Stromerzeugungsanlagen in küstennahen Gewässern zu errichten, wird das Unternehmen ab April 2021 geeignete Baugebiete prüfen und einen Rentabilitätscheck durchführen. In der Vergangenheit hat Mitsui O.S.K. Lines Schiffe für die Errichtung von Offshore-Windkraftanlagen bereitgestellt. Mit dem Einstieg in das Geschäft mit Wellenkraftwerken will das Unternehmen auf den globalen Trend zur Dekarbonisierung reagieren.

(Quelle: The Japan News (Yomiuri Shimbun), 14.1.2021)


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